Wednesday, 17. november 2010
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Werte Damen und Herren, betreten Sie das zauberhafte Kabinett der edlen Grandseigneurs von Coppelius und lassen Sie sich auf galanteste Art und Weise durch ein Reich der Wunder geleiten. Was Sie
hier zu sehen und zu hören bekommen, wird ihren Horizont erweitern, ihr Blut in Wallungen bringen und Ihnen nicht zuletzt auch den Zylinder vom Haupte fegen. "Zinnober" heißt das Zauberwort. Wer
nun also diesem kammermusikalischen Spektakel beiwohnt wird feststellen, dass Instrumente aus vorhergehenden Jahrhunderten durchaus in der Lage sind, den Gehrock und alle Gliedmaßen fliegen zu
lassen. Viel mehr noch - und verzeihen sie die vulgäre Ausdrucksweise -, aber es kommt der unumstößlichen Wahrheit am nächsten: Coppelius rocken wie ein wildgewordener Eber!
Nunmehr ist es also an der Zeit, die dritte Scheibe dieser ungewöhnlichen Ehrenmänner zu präsentieren, die auf den vieldeutigen Namen "Zinnober" getauft wurde. Dies mag im ersten Augenblicke
einige Fragen aufwerfen, denn "Zinnober" bezeichnet einerseits einen besonderen Rotton, aber auch ein Mineralgestein und kann im Volksmunde desgleichen als unsinniger Firlefanz verstanden werden.
Mit vehementem Druck auf den Stimmbändern erwidert Comte Caspar, seines Zeichens Maestro mitreißender Klarinettensoli und verzückender Gesangsakrobat: "Es ist nicht nett, unser neues Album als
unsinnigen Firlefanz abzutun. Aber es trifft die Sache ganz gut ..." Dieser nüchterne Abstand des Künstlers zum selbst Geschaffenen ist einerseits atemberaubend, offenbart aber beifolgend den
hohen Edelsinn der sechs Kavaliere. Graf Lindorf, der handfertige Herr des Cellos und versierter Stimmbandschwinger, umreißt "Zinnober" akkurater: "Kompositorisch galt es, Komplexes und
Eingängiges miteinander zu verbinden. Klanglich wollten wir fürderhin möglichst viel Fülle aus dem Instrumentarium holen - das wird heutzutage auch passend als ´Brett´ bezeichnet. Ich denke, wir
sind in Beidem ein gutes Stück weitergekommen." Und, wie sollte es anders sein, da trifft der Musikus die Note zielsicher auf die Linie oder den Hammer auf den Kopf, denn "Zinnober" setzt gekonnt
fort, was Coppelius seit ihren ersten geheimen Tonexperimenten vor über zwei Jahrhunderten aus dem Äther der Musen gesaugt haben und bringt dies im Hier und Jetzt zur Vervollkommnung.
Beweise findet man in dieser Hinsicht genug, denn jedes der 15 Stücke ist ein vorzügliches Kleinod. Da wird einem alsbald "Der Handschuh" um die Gehörgänge gedonnert, eine klangliche
Duellherausforderung mit kammermusikalischer Wucht. Die Saiteninstrumente werden zum druckvollen Ungetüm, leichtfüßig umspielt von frechen Klarinettenmelodien. Selbstverständlich präsentieren
sich Coppelius auch hier mit ganz besonderem Charme und der ihnen innewohnenden Narretei. Im Gegensatz dazu klingt "Diener 5er Herren" auf den ersten Lauscher ein Quäntchen bedächtiger. Aber der
gerissene kompositorische Genius der Coppelianten führt den Hörer gekonnt hinter den Notenständer, denn mit einem Male entfaltet sich ein infernaler Refrain, der sich nicht mehr aus dem Schädel
bringen lässt und das unglückselige Leben der Dienerschaft besingt. Es kann nur an vorangeschrittenem Alter oder völliger Taubheit liegen, wenn man bei diesem Liedlein nicht augenblicklich zu
einem ausgelassenen Springtanz oder gar einem unverhohlenen Mitsingen verleitet wird. Nicht mit rechten Dingen geht es bei "Damen" zu, denn das hier herausgeschmetterte Klarinettensolo kann in
seiner atemberaubenden Heftigkeit und Vollendung nur durch einen Pakt mit dem Gehörnten zustande gekommen sein. Einer bizarren Sphäre, in der die industrielle Revolution auf die des Rock´n´Roll
trifft, ist schließlich der "Automat" entsprungen - manufakturelles Geschepper und fingerfertige Saitenspielereien bewahren ein ganz besonderes Geheimnis. Und wie bereits erwähnt, kommt auch das
"Brett" zünftig zum Einsatz. Denn "Risiko" verwandelt jeden steifen Abendball unter Garantie in eine riesige Moshpit, wie der moderne Neuhochdeutsche zu sagen pflegt - es ist offiziell gestattet
hierbei jedwede Beherrschung zu verlieren.
Location: Halle
Quelle: südpolmusic
Kartenpreise
15,00 EUR zzgl. Gebühren
Tickets unter
http://www.muenchenticket.de
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